Stadt- und Gebäudesanierung im Studiengang Architektur

Sanierung – ein selbstverständliches Thema, da die Mehrzahl aller Bauaufgaben in der Sanierung zu finden ist, sollte man denken. Aber noch immer ist die Lehre an den deutschen Hochschulen und Universitäten klassisch auf Entwurfsaufgaben im Neubau – bestenfalls unter Berücksichtigung des Bestandes – orientiert. Ein eigenständiges Lehrgebiet in Stadt- und Gebäudesanierung ist an den Hochschulen in Deutschland keine Selbstverständlichkeit. 

In den Studiengängen Architektur der Hochschule Wismar wird seit 1998 eine kontinuierliche Lehre in der Stadt- und Gebäudesanierung angeboten. In dem Lehrgebiet sollen in der Breite dieses übergreifenden Themas die Studierenden ein umfassendes Denken erlernen, das sie befähigt, Probleme komplex zu erfassen und zu bearbeiten. Deshalb wir die Sanierung von der stadträumlichen, über die architektonisch - bauliche, die ökologische, die sozial - nutzerorientierte bis zur gesellschaftlichen und philosophischen Seite thematisiert. 

Aufgrund dieser umfassenden ganzheitlichen Lehre werden bereits im Bachelorstudium hohe Anforderungen an ein komplexes Denken gestellt. Im fünften Semester werden die Studierenden nach dem momentanen Studienplan das erste Mal pflichtgemäß mit dem Lehrgebiet konfrontiert und müssen sich mit grundlegenden Fragen der Sanierung auseinandersetzen. Sie sollen begreifen, dass Sanierung weit über eine bloße Instandsetzung und Modernisierung von Gebäuden hinausgeht. Sie müssen sich erarbeiten, wie Sanierung als "Gesundung" funktionieren kann, warum Stadtsanierung auch den Stadtumbau einschließt und dass das Gebäude immer im Kontext zum Quartier, zur Stadt und zur Region zu sehen ist. 

Um eine solche Denkweise zu entwickeln, sind Vorlesungen zur Geschichte der Stadtsanierung, zu Beispielen von Gebiets- und Gebäudesanierungen genauso notwendig, wie Vorlesungen zu sozialen, rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie zu aktuellen Problemen des Stadtumbaus.