Hokuspokus Liebe

Projektinfos

Jahr: 2018

Studiengang:
Kommunikationsdesign und Medien

Betreuer:
Prof. Dr. Karlheinz DaberkowProf. Dipl.-Des. Olaf Fippinger

Teilnehmer:
TeilnehmerInnen siehe Projektbeschreibung

Projektart:
Gruppenprojekt

Kommunikationswissenschaften

Die ,Liebe" als psychisches Phänomen, hypothetisches Konstrukt und schillernder Begriff, bleibt bis heute mit den bekannten Forschungsmethoden nur schwer zugänglich und erforschbar.
Er beinhaltet die unterschiedlichen Konnotationen und wird/wurde in den verschiedensten Kulturen und Gesellschaften unterschiedlich aufgefasst und gestaltet.

„Sie“ ist aber erlebbar und erschließt sich dem Sehenden und Liebenden.
„Sie“ erfordert Aufmerksamkeit und Mut sich der Sehnsucht danach zu öffnen und zu zeigen und mit ,,ihr" umzugehen
Die ,,Liebe" als Gratwanderung der Seele bestimmt unser Da- und Menschsein in vielen Facetten ihres Ausdrucks und Erlebens als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium (Luhmann,N. 1982).
Diese unterschiedlichen Ausdrucksweisen zu entdecken und aufzuzeigen ist Gegenstand des Projektes.
Gemeint sind dabei unterschiedliche Bereiche der menschlichen Kommunikation in ihren glücklichen und auch weniger glücklichen Momenten
Als generelles Prinzip kann die Liebe in jeden Bereich hinzukommen, oder auch nicht.
Dieses Prinzip bedeutet Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Wachheit, dem Leben gegenüber und ist verbunden mit einer inneren Selbstfindung und Selbsterfahrung.
Der Schwerpunkt der Auseinandersetzung im Projekt soll bei alltäglichen und medialen Phänomenen der "Liebe“ liegen.
Fokussierende Liebe kann sich dabei beziehen auf:

Personen
Dinge/ Gegenstände/ Tiere Musik
Kunst/ Literatur/ Lust und Trieb

 

TeilnehmerInnen:

Nele Bielenberg, Arkadij Blinow, Janice Bockstiegel, Alexander Boldt, Sally Frey, Milena Hagedorn, Jasmin Häußermann, Stephan Loewe, Lisa Meier, Marie-Sophie Nimz, Immanuel Promnitz, Claudia Rudat, Kathleen Siebert, Jolanthe Stelzer, Steffen Stender, Lara Swiontek, Cassandra Voigt, Luisa Zimmermann

 

Nele Bielenberg, Lisa Meier
Man sehnt sich danach, gesehen zu werden. Man fragt sich, wie es weiter geht. In den Köpfen ein kitschiges Bild aus einem Märchen, in dem zwei, die sich lange suchten, zusammen treffen. Man zieht los, voller Erwartungen, die einen mit Euphorie füllen. Man gibt sich den Gefühlen hin, steigert sich hinein. Der Kopf wird einem vernebelt, der Blick eingefärbt. Man kann zwischen Wirklichkeit und Fantasie nicht mehr unterscheiden. Plötzlich fällt man aus allen Wolken, der Aufprall ist hart. Man rappelt sich langsam wieder auf, überwindet den Schmerz. Man sehnt sich danach, gesehen zu werden.

Kurzfilminstallation
Arkadij Blinow, Sally Frey
Mit den angeeigneten Erfahrungen über Dominanz, Führung, Leitung — Hingabe, Vertrauen, Liebe geben wir uns nochmal der körperlichen Zu- sammenarbeit hin. Diesmal wird die Farbe direkt aus der Tube gepresst, so hat der Geführte mehr Einfluss auf den Charakter der Linie, dessen Form der andere vorgibt. Es ist direkter, roher, intuitiver, wir haben auch nicht vergessen wie wir dabei stehen, ein vorerst letzter, gemeinsamer Akt des Schaffens, der Liebe.

Kunstharz, Kalligrafie
Alexander Boldt
Augenscheinlich sind es nur Buchstaben. Für den Graffiti-Künstler ist der endlose Prozess des Findens neuer Formen, Schwünge und Designs mehr als nur ein Mittel zum Zweck, es ist ein Ausdruck seiner selbst. Der Ursprung des Graffitis liegt im klassischen „Stylewriting“, das Ende der 70er aus Amerika nach Europa kam. Seinen eigenen Stil zu entwickeln und zu perfektionieren, ist dabei das Hauptaugenmerk. Wie viel Leidenschaft und Liebe in die allgegenwärtigen Buchstaben flie- ßen kann, ist thematisiert worden. Das großformatige Graffiti “I LOVE LETTERS” verbindet die reine Aussage zu der Liebe zur Schrift mit einer hingebungsvollen Ausarbeitung im Bezug auf Details, Sauberkeit und dem eigenen Stil. Im direkten Gegensatz dazu steht “AND I DON’T CARE”, verfasst von einer Person, welche die Liebe zu Buchstaben und Schrift nicht teilt. Der reine Zweck einer Information hinter den Buchstaben steht im Vordergrund. Minimale Anforderungen werden an Schönheit, Sauberkeit und Lesbarkeit gestellt. Der Betrachter kann in diesen beiden unterschiedlichen Schriftformen etwas über den Menschen dahinter erfahren.
Es ist eine Gegenüberstellung von Liebe und Gleichgültigkeit entstanden. Dieser Vergleich verdeutlicht, dass die Liebe zur Schrift und den Buchstaben keineswegs selbstverständlich ist.

Graffiti (Acrylfarbe, Marker und Sprühfarbe auf Siebdruckkarton)
Jasmin Häußermann, Marie-Sophie Nimz
Schon in den zehn Geboten heißt es „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“. Bei der Nächstenliebe wird die Selbstliebe des Menschen also als Voraussetzung gesehen. Sie scheint etwas ganz Natürliches zu sein, das jedem Menschen von Anfang an mitgegeben wird. Doch liebt sich wirklich jeder selbst und wie handeln diese Menschen?
Um die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Selbstliebe und Lebensstil zu erforschen, wurden vierzehn Menschen zu ihren Einstellungen zu unterschiedlichen Bereichen ihres Alltags befragt. Unter anderem wurden Themen wie Ernährung, Sport, Klamotten, Make-up und Körper in persönlichen Interviews besprochen und die Ergebnisse fotografisch festgehalten. Die Fotos zeigen die Einstellungen der Befragten zu den jeweiligen Themen. Durch die Anonymisierung der Beteiligten
in Schrift und Bild, konnten ehrliche und ungezwungene Einblicke in die persönlichen Wahrnehmungen ermöglicht werden.


Fotoreportage (Plakate und Buch)
Milena Hagedorn, Jolanthe Stelzer
Für das Projekt wurde sich exemplarisch mit der eigenen Familiengeschichten beschäftigt und deren Beziehungen und Beziehungsmuster bis Anfang des 19. Jahrhundert zurückverfolgt. Aus einer Sammlung von Namen, Daten, Geschichten und Fotos wurde eine grafische Übersicht in Form eines Stammbaums entwickelt.
Die Geburt, die als Kreis visualisiert wird, die Dauer der Beziehung, als Linie gezeichnet, die sich dem Partner nähert, die Geburten der eigenen Kinder, die wiederum als Kreis dargestellt werden – aber auch Zeitpunkte der Trennung, der Adoption und des Todes, der das Ende eine Linie markiert. Aus den systematischen, reduzierten Aufzeichnungen der Stammbäume ergeben sich individuelle Bilder.
Um dieses geschaffene Muster über das Optische hinaus zu interpretieren, wurde eine Vertonung des Stammbaumes angefertigt. Jede Geburt wird durch einen Tastenanschlag, dessen Ton über die Lebensdauer anhält, verdeutlicht. Diese Vertonung dient zur Untermalung einer Animation des Beziehungsmusters. Die erfahrene emotionale Auseinandersetzung mit der Liebe, die innerhalb der Familie bestand und besteht wird durch den vertonten und animierten Stammklangbaum visualisiert.


Audiovisuelle Installation
Jens Jeworutzki
Man kann Partys wegen unterschiedlicher Gründe lieben. Wegen der Musik, der gemeinsamen Zeit mit Freunden und völlig Fremden, dem enthemmten Tanzen oder den guten Getränken. Beim Feiern schaut man nicht auf die Uhr, es gibt keine Termine, über die man sich Gedanken machen muss, Haushalt und Arbeit rücken in den Hintergrund. Die Party ist eine kleine Parallelwelt, die es einem ermöglicht, dem Alltag zu entfliehen und sich frei von allen Sorgen zu machen. Ähnlich wie bei dem Verliebtsein befindet man sich in einem anderen Zustand. Man ist von seinen Gefühlen und dem Rausch getrieben, anstatt von Rationalität.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den stereotypischen Situationen, die sich auf Partys ereignen können. Die nachgebauten Kulissen sollen dem Betrachter ermöglichen, Emotionenen nachzuempfinden, welche man beim Feiern durchleben kann. Verschwommen und surreal stellen die Fotografien die Wirklichkeit in Frage.

Fotografien
Babette Liebisch
„Liebe ist ein aktives Eindringen in den anderen, wobei das eigene Verlangen, ihn zu erkennen, durch die Vereinigung gestillt wird. Im Akt der Vereinigung erkenne ich dich, erkenne ich mich, erkenne ich alle die anderen, und ich «weiß» doch nichts. Ich erkenne auf die einzige Weise, in welcher dem Menschen Erkenntnis des Lebendigen möglich ist: im Erleben von Einheit – und nicht aufgrund des Wissens, das mir mein Verstand vermittelt. [...] Liebe ist der einzige Weg zur Erkenntnis, der im Akt der Vereinigung mein Verlangen stillt. Im Akt der Liebe, im Akt der Hingabe meiner selbst, im Akt des Eindringens in den anderen finde ich mich selbst, entdecke ich mich selbst, entdecke ich uns beide, entdecke ich den Menschen.”
Erich Fromm - Die Kunst des Liebens

Fotografien
Immanuel Promnitz
Ungewollte Schwangerschaft ist ein Thema, das im gleichen Maße an Relevanz gewinnt, wie es im zwischenmenschlichen Kontext totgeschwiegen wird.
Das Projekt „Malejizz“ versucht, die Brücke zwischen Spiel und auf- klärerischer Absicht zu schlagen. Es transportiert das komplette Funktionsprinzip des Ravensburger Spieleklassikers „Malefiz“, in die Form und Anmutung eines stark stilisierten Querschnitts der weiblichen Geschlechtsorgane. Bei „Malejizz“ geht es darum, dass jeder Spieler „Spermien“ statt normaler Spielfiguren setzt und die so genannten „Barriere-Steine“ von „Malefiz“ hier stellvertretend für unterschiedliche Arten von Verhütungsmethoden stehen. Ziel der Spieler ist hierbei, die eigenen Spermien an allen Verhütungsversuchen vorbei zu führen, sich gegen andere Spermien zu behaupten und als erster „die Eizelle zu befruchten“. Es soll somit in leicht ironischer Weise das Grundprinzip der Befruchtung aufgegriffen werden, um den Spieler für das Thema zu sensibilisieren. Dies wird zusätzlich durch den Namen „Malejizz“ (engl.: „männlich“ + „Sperma“) unterstrichen, welcher nicht nur eine Abwandlung des Originalnamens darstellt, sondern das Ganze durch einen unterschwellig-urbanen Anklang aus dem klinischen Umfeld löst. „Malejizz“ soll somit dem eigentlichen Liebesspiel nicht entgegen ste- hen, sondern dieses bereichern. In welcher Form das genau geschieht, liegt allerdings vollkommen in den Händen der beteiligten Spieler.

Brettspiel
Claudia Rudat
catellus hominis. Anatomie einer Liebe ist zunächst der Versuch, die Beziehung zwischen Menschen und ihren vierbeinigen Begleitern bezüglich der Frage »Wie zeigt sich diese Liebe?« zu betrachten. In vier Kapiteln werden Umgangsformen mit den Tieren aus den Bereichen Zucht, Pflege, Ausstattung sowie Beschäftigung dargestellt. Auf inhaltlicher Ebene zeigen die Illustrationen nur Ausschnitte des sich teilweise in die Absurdität steigernden Phänomens der sogenannten Liebe zum
Tier. Es wird der Charakter der oftmals bekundeten Tierliebe hinterfragt. Der Hund wird weniger als Lebewesen mit einem Recht auf Integrität, also als Subjekt gesehen, sondern als Objekt, das Züchter und Besitzer nach Belieben verformen, verändern, verkleiden und dementsprechend ihrem Geschmack bzw. ihren Bedürfnissen anpassen – ohne den meist negativen Konsequenzen ihres Handelns Beachtung zu schenken. Die Beobachtungen lassen allenfalls die Schlussfolgerung zu, dass die vielbeschworene Formel, »Wenn du mich wirklich liebst, dann lass mich sein, wie ich bin«, für diese Liebe nicht zu gelten scheint. Wenn die Frage des Stils entscheidender wird als die Frage nach der Unversehrtheit des Tieres, muss man die Aussage, man liebe den eigenen Hund, eher auf einer Ebene mit dem Ausspruch, man liebe das neue Smartphone, ansiedeln. Indem catellus hominis mit der Metapher der Anatomie die unterschiedlichsten Ausprägungen der Tierliebe zeigt, liefert es gleichzeitig viele Argumente für die These, dass die Liebe zum Hund eher als eine objektbezogene charakterisiert werden kann.

Illustriertes Buch
Steffen Stender, Kathleen Siebert
Ein Charakterzug bezeichnet eine Wesensart des Menschen. Der Charakter ergibt sich aus mehreren Charakterzügen. Hier laufen Erfahrungen, Geschichte und persönliche Kompetenzen zusammen.
Die wenigsten Menschen können auf Anhieb sagen, welche Eigenschaft sie an sich am meisten mögen. Von Geburt an wird man von der Gesellschaft dazu erzogen, an sich zu arbeiten und sollen das bis zu seinem Lebensende tun. Molière sagte: „Mögen wir noch so viele Eigenschaften haben, die Welt achtet vor allem auf unsere schlechten.“ Selbstlie- be bezeichnet die allumfassende Annahme seiner selbst in Form einer uneingeschränkten Liebe zu sich selbst. Die Selbstannahme mit allen Stärken und Schwächen. Die Fähigkeit, sich uneingeschränkt lieben zu können, besitzt nur ein geringer Prozentsatz unserer Gesellschaft. Wer sich traut, wird schnell als egoistisch, überheblich, narzisstisch oder arrogant abgestempelt.
Mit der Fragestellung nach der Eigenschaft, die man am meisten an sich mag, wurde ein wortwörtlicher Charakterzug erstellt. Diese favorisierte Eigenschaft sollte so dargestellt werden, wie sie die Person in sich selbst sieht. Daraufhin wurde ihnen ein Wagon oder eine Lokomotive zugeordnet, die optisch, aufgrund ihrer Beschaffenheit oder ihrer Funktion zum dargestellten Charakterzug passt. Fast ausschließlich wurden Charakterzüge gewählt, die auch in der Gesellschaft als Stärke anerkannt werden.

Fotografie, Digitale Collage
Lara Swiontek
Tierliebe ist oft ähnlich wie die Liebe zu Menschen. Man schaut dem Tier ins Gesicht und fühlt ihm gegenüber eine Zuneigung. Oft und scheinbar automatisch wird diese Liebe vom Tier erwidert.
Ist das bei Fischen auch so? Was hält einen davon ab einen Fisch zu lieben? Fische wirken gefühlskalt, haben klebrige Schuppen und tote Augen und sind nur zur Dekoration im Haus oder als Filet interessant. Doch sie haben ein Sozialverhalten, sie bauen komplexe Nester und halten eigene Rituale ein. Warum können Fische nicht auch lieben? Wie bekommt man Liebe von einem Fisch? Genauso wie sich unsere Sprachen und Gedanken voneinander unterscheiden, so ist auch keine Liebe wie die Andere. Man kann nicht ahnen was ein Fisch denkt, er empfindet Schmerz und verspürt Bedürfnisse, die mit denen anderer Lebewesen vergleichbar sind. Das Atmen von Sauerstoff und das Lieben des Lebens ist eine Gemeinsamkeit, die Fisch und Mensch verbindet.
Irgendwann war der Mensch dem Fisch sehr ähnlich - zu dieser Zeit, in der die Definition wie sich Lebewesen gegenseitig wahr nahmen keine Bedeutung hatte, war es auch nicht wichtig, warum sie einander Gutes taten. Vielleicht hätte man zu jener Zeit mehr verstanden, dass Liebe nicht zwingend etwas mit Körpernähe zu tun hat, sondern mit Respekt, Verständnis und Empathie.
“Ich schaue dem Fisch in die Augen und erkenne mich in ihm. Erkenne ein Leben, das mich erkennt. Der Fisch liebt mich und ich liebe den Fisch”

Illustrationen (Siebdruck)
Luisa Zimmermann, Cassandra Voigt
Fünf Hundebesitzer geben einen Einblick in das Zusammenleben mit ihrem Haustier. In gewohnter Umgebung für Herrchen, Frauchen und Hund wurden Gespräche geführt, um einen unverfälschten Eindruck von der Beziehung zwischen Hund und Besitzer zu erhalten, fernab von gängigen Klischees.
Der Fokus liegt hierbei auf den Einzelgeschichten und den individuellen Hintergründen der Partnerschaften. Wie verändert sich das Verhältnis zum Tier, wenn der Besitzer plötzlich in einer Beziehung ist? Warum muss es eine ganz bestimmte Rasse sein? Und wie drückt sich diese
Tierliebe in Spielzeug, Futterwahl und gemeinsamer Tagesgestaltung aus?
Jedem Paar wird in einem einzelnen Heft Raum gegeben, um seine per- sönliche Geschichte zu erzählen. Die entstandenen Fotoserien zeigen unbewusste, liebevolle Gesten, den Grad der gegenseitigen Wertschät- zung und die Art des Umgangs zwischen Mensch und Tier. So verschie- den die Paare sind, so verschieden zeigen die Besitzer ihren Tieren auch die Liebe. Ob besonders lange Spaziergänge, vegetarische Ernährung, Mops-Accessoires für den Besitzer oder komplett rosa Hundeausstattung - die Liebe hat viele Facetten.


Fotoreportage (Plakate und Interview-Hefte)

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