Jetzt werden Entscheidungen gefällt – Interpretationen

Nele Bielenberg "Jetzt werden Entscheidungen gefällt"
Halsschmuck, Titan, Neopren, Lack

Projektinfos

Jahr: 2017

Studiengang:
Schmuckdesign Kommunikationsdesign und Medien

Betreuer:
Prof. Dipl.-Schmuckgestalterin Andrea Wippermann Prof. Dipl.-Gebrauchsgrafikerin Hanka Polkehn

Teilnehmer:
Studierende der Fachrichtungen Schmuckdesign und Kommunikationsdesign und Medien

Projektart:
Gruppenprojekt Kooperation

Schmuck, Objekte, Grafik von Absolventen und Studierenden der Fachrichtungen Schmuckdesign und Kommunikationsdesign und Medien

Entscheidungen fällen ist nicht leicht, singt Balbina zusammen mit dem Künstler Maeckes in ihrem Titel „Tisch“. Die im Text verwendete Metapher der Motorsäge, mit der im Wald Entscheidungen gefällt werden, war der Schlüssel zum Entwurf für einen Halsschmuck von Nele Bielenberg. Man wird das stilisierte Kettensägenblatt wohl erkennen, das man sich da um den Hals legen kann. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man, dass sich die Zähne durch Restformen ergeben.

„Jetzt werden Entscheidungen gefällt“ ist auch der Titel der Ausstellung, die neueste Ergebnisse einer erfolgreichen Zusammenarbeit von Schmuck- und Kommunikationsdesignern zeigt. Im Vordergrund steht die Arbeit mit Schrift, die Studierenden arbeiteten zu Songtexten von Balbina, Dota, AnnenMayKantereit und V-Mann AKA Hiob. Entstanden sind Schmuckstücke, kalligrafisch-typografische Plakate, Objekte und ein Trickfilm. 

Jens Jeworutzki zu dem Titel "Ziel auf den Rücken" von V-Mann aka.Hiob

In dieser Arbeit habe ich mich mit einem Zitat des Ostberliner Rappers V-Mann aka.Hiob beschäftigt. Der Track „Ziel auf den Rücken“ erschien 2004 und spiegelt seine damalige Sicht auf soziale Ungerechtigkeiten,  vor allem in seinem Viertel, wider. Die unterschiedlichen Arbeiten versuchen, diese Emotionen einzufangen und in Form von Linolschnitt, Siebdruck, Foto und Grafik visuell zum Ausdruck zu bringen.

Aniko Barka "Geheimes Wunderland" zu dem Titel von Dota "Alles Du"

Zähneklappern, Zähneknirschen… so beginnt der Text des Liedes „Alles du“ von Dota und die Stadtpiraten. Wir sind jeden Tag bösen Blicken, Gerede und Stress ausgesetzt, die uns zermürben. Mit der Flucht ins eigene Wunderland, in unsere eigenen vier Wände, schaffen wir uns einen Ort, an dem wir wieder glücklich sein können. Der verzunderte, angegriffene Stahl, der mit der Zeit auch rosten wird, stellt die äußeren Bedingungen dar. Das Emaille auf der Innenseite mit den illustrierten Ausschnitten aus dem Text steht für den eigenen bunten Rückzugsort, der nur vom Träger eingesehen werden kann, da die Wände der Broschen nach innen fluchten.

Sarina Drescher nach dem Titel "oft gefragt" von AnnenMayKantereit

Henning May beschreibt in seinem Song „Oft gefragt“ das gemeinsame Leben mit seinem Vater, von dem  er allein aufgezogen wurde. Dabei geht er auf die positiven Erinnerungen ein, bezieht sich dann aber immer     wieder auf etwas Negatives. Obwohl man nicht genau heraus hören kann, ob nun die positiven oder negativen Erinnerungen überwiegen, bezeichnet Henning May seinen Vater als sein „Zuhause“. Aufgrund des Briefcharakters habe ich mich entschieden, den Text zunächst mit einer Schreibmaschine zu tippen. Anschließend wurde die Schreibmaschinenschrift mit dem Siebdruckverfahren in das Metall geätzt. 

Lukas Frangart zu „Absztrakkt“

Die Intention der kalligraphischen Arbeit war die Auseinandersetzung mit einem polarisierenden Werk aus der Feder eines sog. Undergroundrapper „Absztrakkt“. Persönliches Ziel war es, eine Gestaltung für ein T-Shirt zu entwickeln und sich dabei intensiv dem handwerklichen Studium der Fraktur zu widmen. Zwischenzeitlich übernahm das Gefühl der Überforderung die Überhand und führte zu einer spielerischen Flucht in verschiedenste kalligraphische Stile, um sich am Ende mit neuem Elan der Fraktur hinzugeben. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, eine meisterlich ausgeführte Arbeit zu sein, ist aber wichtiger Teil eines körperlichen und geistigen Lernprozesses. 

Ellen Øyan nach dem Titel „Oft Gefragt“ von AnnenMayKantereit

Mittels Typografie werden die unterschiedlichen Stufen im Leben dargestellt, die wir durchlaufen. Wie wir wachsen und uns verändern – im positiven, aber auch im negativen Sinne. In diesem Stück werden Gefühle in Form dreier, abstrakter Herzen dargestellt und wie sich der Protagonist mit seinen Gefühlen, seiner Familie gegenüber, auseinandersetzt. ”Du hast dich oft gefragt was mich zerreisst, ich wollte nicht, dass du es weisst”. Der Text wechselt zwischen positiven- und negativen Ereignissen. „Wir waren in Prag, Paris und Wien, in der Bretagne und Berlin,…” Oder ”Zuhause bist immer nur du, zuhause bist immer nur du”. Die Herzen haben immer denselben Kern, aber bauen langsam in mehreren Schichten mit Typografie auf, schließen sich langsam mit Schichten von Metall und die Kette, die sich mehrfach um den Hals legt. 

Claudia Rudat nach dem Titel "Blumentopf" von Balbina

Das Konzept des Films interpretiert die Thematik des Titels  – das Grübeln – als sichtbar werdende Innenwelt der Protagonistin. Der Kopf wird metaphorisches als Apfel dargestellt, in dessen Kern, der klein, tief inne liegend und von außen unerkannt, jene Stimme birgt, die einen nicht zur Ruhe kommen lässt. Eine ganze Welt ist im Kern verborgen; die Stimme wird durch einen zweiten Protagonisten versinnbildlicht und zeigt im Zusammenhang mit der Typografie die umherschweifenden Gedanken. Wenige Gestaltungselemente erzeugen die Bilder für den Betrachter. Als verbindendes Element zwischen der hellen Außenwelt und der dunklen Innenwelt dient der immer wiederkehrende weiße Wollfaden, welcher sowohl die Typografie als auch die einzelnen Motive entstehen lässt.

Carl Philipp Heinz nach dem Titel "Barfuß am Klavier" von AnnenMayKantereit

Das Objekt Holzklavier ist eine analog, haptische Interpretation des Titels.

 

 

 

 

 

 

 

Jens Jeworutzki zu dem Titel "Ziel auf den Rücken" von V-Mann aka. Hiob
Linolschnitt
Nele Bielenberg
Plakat zur Ausstellung im Baumhaus am Alten Hafen zu Wismar
Jens Jeworutzki zu "Ziel auf den Rücken" von V-Mann aka.Hiob
Zink geätzt
Jens Jeworutzki zu "Ziel auf den Rücken" von V-Mann aka.Hiob
Foto bemalt
Aniko Barka "Geheimes Wunderland" zu Dota "Alles Du"
Broschen, Stahl teilweise emailliert
Sarina Drescher zu "oft gefragt" von AnnenMayKantereit
Armreif, Silber geätzt
Sarina Drescher zu „oft gefragt“ von AnnenMayKantereit
Armreifen, Messing geätzt
Lukas Frangart zu „Absztrakkt“
Kalligraphie
Ellen Øyan zu „Oft Gefragt“ von AnnenMayKantereit
Halsschmuck, Titan, Edelstahl, Holz
Ellen Øyan zu „Oft Gefragt“ von AnnenMayKantereit
Halsschmuck, Titan, Edelstahl, Holz
Lukas Frangart zu „Absztrakkt“
Kalligraphie
Claudia Rudat zu "Blumentopf" von Balbina
Typofilm
Claudia Rudat zu "Blumentopf" von Balbina
Typofilm
Claudia Rudat zu "Blumentopf" von Balbina
Typofilm
Claudia Rudat zu "Blumentopf" von Balbina
Typofilm
Carl Philipp Heinz zu "Barfuß am Klavier" von AnnenMaiKantereit
Objekt, Holz eingebrannt, Stahl

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