Leben Lernen "Kunstfenster"

Innenraumperpsektive Galerie

Projektinfos

Jahr: 2020

Studiengang:
Innenarchitektur

Betreuer:
Prof. Dipl.-Ing. Bettina Menzel

Teilnehmer:
Tabitha Stephani

Projektart:
AuszeichnungEntwurfKooperation

Der soziale Träger "leben lernen" in Berlin beabsichtigt, einen historischen Lastkahn zu einem inklusiven Beschäftigungs- und Förderbereich für Menschen mit Behinderung umzubauen. Dieser soll im Rummelsburger See, in unmittelbarer Nähe zu einer Wohnstätte für die Betroffenen, fest angelegt werden. Ziel des Projektes ist es, Menschen mit Behinderung eine Tagesstruktur und Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten. Zugleich geht es aber auch darum, den Menschen mit und ohne Beeinträchtigung eine alltagsbezogene Begegnung im Kiez zu ermöglichen.

Zur Inspiration des Entwurfes dienten die Holländerflöße, die ersten Binnenschiffe Europas. Diese Flöße, schwimmende Plattformen aus zusammengetauten Baumstämmen, wurden per Ruder, Staken teils auch per Segel, auf Flüssen bewegt, um Güter und Menschen zu transportieren. Hochkonjunktur hatte die Flößerei im 17. Jahrhundert, als die sogenannten Holländerflöße, bis zu 500 Meter lange und 70 Meter breit, Holz auf dem Rhein transportieren. Bis zu 500 Mann Besatzung wohnten in kleinen Hütten auf den Flößen, bis zur Zeit der Dampfschlepper, wodurch sich die benötigte Arbeitskraft um ein Vieles verringerte.

Die beiden Aufbauten, mit einem Giebeldach versehen, und räumlich durch das Schott und die Erschließung getrennt, erinnern an die Holzhütten der Holländerflöße.
Diese Flöße konnten nur Aufgrund der Zusammenarbeit der ganzen Besatzung ihren weg über den Fluss beschreiten. So soll auch die Zusammenarbeit und das Miteinander der Beschäftigten auf dem Kahn mit den Passanten, Kunstinteressierten und aktiv beteiligten Künstlern eine Gemeinschaft fördern, die progressiv in die Zukunft „voran schwimmt“.

Die Erschließung des Kahns erfolgt über den mittleren Teil, oberhalb des Schotts. Über diesen können beide Bootsteile, sowie die dahinter vertäuten Boote erreicht werden. Hierdurch sind Menschen ohne Behinderung immer in den Alltag der Beschäftigten eingebunden, wodurch Austausch und Verständnis gefördert werden.

Zur Beschäftigungs- und Begegnungsstätte wird die Kunstgalerie im vorderen Teil des Kahns. Hier können sich Beschäftigte und Interessierte alleine und gemeinsam künstlerisch verwirklichen. Repräsentativ sind drei große Fensterkästen zum Kai ausgerichtet, welche sowohl als Rahmen für den Innenraum und die dort dargestellte Kunst bieten als auch selbst Ausstellungfläche für künstlerische Arbeiten, wie Beispielsweise Skulpturen, sein können. 

Beide Bereiche sind mit Fensterkästen zum Sitzen versehen. Aus diesen kann das Geschehen an Land und auf dem See beobachtet werden. So sitzen die Nutzer des Kahns sicher geschützt im Innenraum, können den Außenraum jedoch hautnah erleben.

Der hintere und untere Teil des Kahns dient den Beschäftigten als Koch-, Wohn- und Rückzugsort. Dort gibt es auf dem Oberdeck eine Küche mit Essbereich, an den ein großer Fensterkasten angrenzt, welcher im Sommer als kleiner Balkon und als Erweiterung des Innenraums in den Außenraum dient. 

Im Unterdeck gibt es verschiedene Ruheräume für die Beschäftigten, sowie zusätzliche Beschäftigungsplätze für diejenigen, die festen Beschäftigungen und Tätigkeiten nachgehen. Hierbei wurde darauf geachtet, dass die Bedürfnisse der Beschäftigten sich stark unterscheiden. Manch einer sitzt gerne in einem offenen Bereich mit Blick auf die Natur, andere lenkt dies eher ab. Für sie wurden abgeschottete Plätze geschaffen, bei denen keine äußere Ablenkung durch visuelle Stimulation auftritt. 

Tabitha Stephani wurde mit dem Sonderpreis „Inklusion und Sozialraumorientierung“ ausgezeichnet.

Links

Isometrisches Piktogramm
Außenansichten
Grundriss Oberdeck
Grundriss Unterdeck
Längsschnitt
Innenraumperspektive Beschäftigungsbereich
Innenraumperspektive Kochen und Wohnen

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