Traditioneller Raku-Brand

Projektinfos

Jahr: 2017

Studiengang:
Architektur Innenarchitektur Kommunikationsdesign und Medien Produktdesign Schmuckdesign

Betreuer:

Teilnehmer:

Projektart:

Wenn ein maskierter Mann mit einer langen Zange glühende Becher, Tassen, Schüsseln und andere Tongegenstände aus dem Ofen holt und zahlreiche Studenten, Professoren und Interessierte wild um ihn herumtanzen, sich unterhalten und Glühweintrinken – dann ist Raku-Brand an der Fakultät Gestaltung an der Hochschule Wismar. Bei der traditionell japanischen Technik „Raku“ (auf Deutsch in etwa „Freude“) geht es aber nicht um Tanzriten. Bei gut eintausend Grad wird das glasierte Töpfergut nur eine halbe Stunde, statt wie üblich mehrere Tage gebrannt und lange im Ofen abgekühlt. Wenn Keramik-Werkstattleiter Tobias Trauzettel sie mit langer Zange aus dem Ofen holt, ist das Geschrei groß: „pusten!“ heißt es bei einigen Stücken. Mit kräftigem Anblasen kühlt die Glasur schneller als der Ton ab, das Werkstück bekommt die charakteristischen Raku-Risse. Andere Helfer reißen Deckel von großen Töpfen, in die die glühenden Gefäße mit viel Holzspäne gelegt werden. Es raucht unheimlich, regelmäßig entzünden sich die Späne zu großen Flammen. Die abgekühlten Stücke werden geborgen und gewaschen. Aber wozu der ganze Aufwand? Es entsteht Keramik mit kräftig-schönen Farbspielereien und attraktiven Glasurstörungen – oder eben ein gebrannter Unfall. Und es ist eine tolle Party. „Was aus dem Ofen und der Asche kommt, weiß man vorher nie – das ist ja das Schöne!“, erzählt Trauzettel strahlend. Als er 1986 als Werkstattleiter für Keramik an die Fachschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm kam, baute er den Raku-Ofen. Mit der Keramik-Klasse brannte er jeden Monat ihre Studienobjekte. „Weil man das alleine nicht machen kann, sind das immer schöne Abende mit viel Essen gewesen. Eben Raku, „Freude“. Bald kam die gesamte Schule zu den Abenden, stellte sich und Freunden Keramik her und feierte mit.“, so Tobias Trauzettel. Bis heute, dreißig Jahre später, steht er noch immer gern mit Studenten, Kollegen und Freunden am Ofen. Die FAK in Heiligendamm und die Ausbildung zum Keramiker sind mittlerweile Geschichte. Die Festveranstaltung „Raku-Brand“ gibt es immer noch – nun eben an der Nachfolgeeinrichtung in Wismar. Hier treffen sich Studenten aller Studiengänge und Semester, an Werkstatttisch, Ofen und Waschbecken stehen Professoren neben Alumni und Studenten. „Warmer Ofen, Geschenke herstellen und zusammen sein – das passt doch hervorragend zu Weihnachten!“, erklärt Trauzettel abschließend, setzt sich die Atemmaske auf, öffnet den Ofen und greift zur Zange. „Pusten!“

(Fotos und Text: Georg Hundt für die Fakultät Gestaltung der Hochschule Wismar)


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