Archiv für Erinnerungen
Das Archiv verwandelt das Speichern und Wiederfinden von Erinnerungen in einen bewussten, körperlichen Akt. Es besteht grundlegend aus zwei Objekten, einem klassischen Aufbewahrungsmöbel aus Ulmenholz – einem Holz, das in der Industrie ein wenig in Vergessenheit geraten ist – und einer Konsole mit Rätselmodulen, die gelöst werden müssen. In dem Archiv werden Gegenstände gespeichert, die man mit Erinnerungen verbindet und die Konsole dient als Schlüssel um sie zu öffnen. Auf unterschiedlichen Ebenen sind, wie in einer Art Datenbank, Schubkästen wie Speicherslots angebracht. Sie sind zunächst versperrt und brauchen die Lösung aller Rätsel, damit sie sich öffnen. Weil nichts von außen anzeigt, was sich im Inneren verbirgt, muss man sich also merken, welche Erinnerung wo abgelegt wurde. Das verlangt Aufmerksamkeit und macht den Zugriff zu einem bewussten Akt. Um zusätzliche Interaktion einzufordern sind die Schubkästen versetzt angeordnet, sodass man um das Objekt herum gehen, oder es drehen muss. Das Lösen der Rätsel dauert ebenfalls seine Zeit, wobei es auch gewollt ist, dass man ein paar Minuten mit ihnen verbringt, um dann letztendlich an den eigentlichen Inhalt heran zu kommen. Das kann man auch als Metapher für die Entstehungsgeschichte solcher Erinnerungen sehen, weil eben bestimmte Prozesse passieren mussten, die zu diesem Moment im Leben geführt haben. Alles hat eine Vergangenheit, einen Weg den man erst gehen musste. Man kann es auch umdrehen und sagen: je nachdem in welcher Lebensphase man sich grade befindet, gibt es tief verborgene Fragmente, die einen Auslöser - die Rätsel - brauchen damit man sich wieder an sie erinnert.
In dem Archiv für Erinnerungen haben alle Gegenstände platz, denen man eine besondere Bedeutung zuweisen möchte. Das können Mitbringsel aus dem Kindheitsurlaub sein, Steine, Bilder, Konzertkarten, Briefe oder geerbter Schmuck.
In einer Zeit, in der unser Alltag von Effizienz, Rationalisierung und digitalem Overload geprägt ist, möchte ich ein Zeichen für Entschleunigung, Sinnlichkeit und spielerischer Erfahrung setzen.
Mein Objekt soll genau dieses Bedürfnis ansprechen – es fordert uns auf, zu verweilen, zu berühren und zu entdecken. Ich habe mich mit der Frage beschäftigt was für ein Leben wir uns schaffen, wenn wir sämtliche Hürden aus ihm streichen und uns in die totale Komfortzone
begeben. Ich habe versucht Prinzipien der Zugänglichkeit, Schnelligkeit und Benutzerfreundlichkeit im Design zu hinterfragen und einen Gegenvorschlag zu erarbeiten.












