Elektronische Musikkultur

Project Infos

Year: 2011

Studycourse:
Communication Design and Media

Supervisor:
Prof. Dipl.-Des. Olaf FippingerProf. Dipl.-Des. Arwed Voß

Participators:
Henriette Rietz

Project type:
Exam Project

Visualisierung eines (persönlichen) Lebensgefühls

Meine ersten Techno-Lieder hat mir meine älteste Schwester auf Kassette gespielt. Das war Mitte der 90er Jahre und ich ging in die Grundschule. Ich erinnere mich an ein Lied, in dem ein Polizeisprecher durchsagte, dass dies hier eine Razzia sei. Das fand ich unglaublich cool. In einem anderen Lied hörte man eine Techno-Version des Pinocchio-Leitmotivs und ich habe das Magnetband der Kassette immer wieder an diese Stelle gespult. Kraftwerks »Autobahn«, »Boing Boom Tschak« und natürlich »Das Boot« von U96 klangen auch immer super aus dem Kassettenrekorder meiner Eltern. 

Meine ersten Techno-Partys fanden zu Zeiten der Jahrtausendwende statt, eine Zeit, in der es laut DJ Ellen Alien gerade eine »gewisse Müdigkeit« innerhalb der Berliner Techno-Szene gab, obwohl im Ausland Berlin langsam angesagt war. Die erste Techno-Ära war gerade vorbei, denn die erste Techno-Generation ging aufgrund von Lebenswandel und veränderter Lebenssituation nicht mehr regelmäßig aus. (vgl. Winkler) Für mich aber war es im Alter von 14/15 unglaublich aufregend, von meinen älteren Geschwistern in die Columbiahalle zu Electric Kingdom Partys, ins alte Casino in der Saarbrücker Straße und später ins Polar TV geschleust zu werden. Mit 17 bin ich alleine nach Dortmund zur Mayday gefahren, weil ich kurz vorher zufällig zwei Tickets gewonnen hatte. Ich kann mich noch genau an das Gefühl erinnern, als ich die riesige Westfalenhalle betrat und Lexy & K-Paul gerade auflegten. Mein achtzehnter Geburtstag war an einem Montag, am darauf folgenden Freitag war ich gleich im Sternradio, denn da kam man nämlich wirklich nur mit 18 rein. 

Es heißt, dass der Musikgeschmack zu den stabilsten Merkmalen einer Person gehört. Dies kann ich bestätigen, denn obwohl es auch Zeiten gab, in denen ich mich in Indie-Clubs aufgehalten habe, war und ist doch die Techno-Musik in meinem bishe- rigen Leben mein ständiger Begleiter, obwohl ich mich nie zu »der Techno-Szene« zu- gehörig gefühlt habe. Ich war noch nie auf einer Afterhour und ich mag kein Minimal. Für mich ist die Party meistens spätestens um 6:00/7:00 zu Ende. Ich wäre aus Sicht der Medien deshalb wahrscheinlich völlig Berlin-untypisch. 

Als es nun darum ging, ein Diplomthema zu finden, kam ich u.a. durch Gespräche mit meinen Prüfern zu der Überzeugung, dass es in meiner Diplomarbeit legitim sein würde, mir »optimal viel Freude« zu bereiten, ohne mir von vornherein Grenzen zu setzen. Also beschloss ich, mich in meiner Diplomarbeit mit Techno, einem wichtigen Teil meines Alltags bzw. einem selbstverständlichen Faktor meines Lebens, theoretisch und praktisch auseinanderzusetzen, um aus ihm Wert zu schöpfen. 

Ich will herausfinden, wo einige Wurzeln des Techno liegen, warum Techno nicht gleich Techno ist, warum Techno so anders ist als andere Musik, wie sich Techno entwickelt hat, wer Techno hört und was auf einem Techno-Event passier t. Weiterhin ist für mich als Kommunikationsdesignerin interessant, wie Techno-Musik visuelle Erscheinungsbil- der auslösen kann. 

Ziel meiner Diplomarbeit ist es, das durch Techno in mir ausgelöste Lebensgefühl zu analysieren und zu illustrieren. Die entstandenen Illustrationen möchte ich nutzen, um auf mich als Kommunikationsdesignerin aufmerksam zu machen.
Da ich mich mit einer Musik(-szene) auseinandersetzen werde, mit der ich mich am meisten identifiziere, kann ich viele Teile meiner Arbeit autoethnographisch bearbei- ten. Ich muss also keine Feldforschung im klassischen Sinne durchführen, da ich mich bereits in der Lebenswelt befinde, mit der ich mich beschäftigen möchte. 

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