Das interaktive Objekt widmet sich einer aktuellen Herausforderung des Demografischen Wandels - dem Pflegenotstand. Die Gestaltung erinnert an einen Hybrid aus Fernseher und Theaterbühne, wobei auch die traditionelle Form des Guckkastens, der im 18. Jahrhundert beispielsweise auf Jahrmärkten als Kommunikationsmittel genutzt wurde, als Inspiration diente. Im digitalen Zeitalter wird hier eine bewusste Abkehr vom Bildschirm hin zu einem analogen Erlebnis geschaffen. Geschichten aus dem Pflegealltag, die geprägt sind von erschreckenden, traurigen, berührenden und schönen Momenten, spielen sich in der Realität hinter verschlossenen Türen ab. Dieses Objekt soll ihnen eine Bühne bieten. Ein Betrachter lauscht den Geschichten von Louis, Franziska und Ralf.
Ein Blick in ein Gebäude, ein Ausschnitt, Stockwerk über Stockwerk, eine Rasterung aus Wänden und Decken wird nach und nach sichtbar. Die Szenerie ist in Weiß gehalten - von den Krankenhausbetten, über die Treppen bis hin zu den Stationstüren. Als Betrachter:in blickt man auf ein Miniaturszenario, eine kleine Krankenhauswelt. Louis, Franziska und Ralf verbindet der Wunsch in ihrem Beruf Menschen zu helfen. Als Pflegekräfte sind sie in einem Gesundheitssystem mit herausfordernden Rahmenbedingungen tätig. Überstunden, schwere Schicksale und hohe Verantwortung prägen ihren Alltag. Durch das Aufsetzen der Kopfhörer tauchen Zuhörer ein in die Krankenhauswelt. Sprecher:innen erzählen ihre Geschichten während eine Geräuschkulisse diese untermalt. Dazu werden die Stationen und Räume situativ beleuchtet. Die Geschichten der Pflegekräfte erwachen damit zum Leben. Zuhörer können durch das Abnehmen der Kopfhörer aus der Situation aussteigen. Eine Möglichkeit, die die Pflegekräfte in der realen Welt nicht haben.
Die Arbeit Pflegenotstand ist im Rahmen des Moduls Interface Design / Physical Computing im Wintersemester 2023 entstanden. Sie wurde im Mai 2025 vom Art Directors Club Deutschland ausgezeichnet.


