Das unerträgliche Dilemma des Absurden

Projektinfos

Jahr: 2024

Studiengang:
Kommunikationsdesign und Medien

Betreuung:
Fippinger, Olaf, Prof.

Teilnehmer*innen:
Toni Menck

Projektart:
Entwurf

Die Serie mit dem Titel „Das unerträgliche Dilemma des Absurden“ stellt eine fotografische
Auseinandersetzung mit der Betrachtung des Absurden dar. Absurdität hat vielfältige
Bedeutungen. Auf der Suche nach einer Erklärung, was das Absurde ist, widmete ich mich in
meiner Recherche anfangs der existentialistischen Strömung der Philosophie, die die Sinnlosigkeit
und Absurdität des Lebens und der Existenz betont. Erste Grundlage war das Werk „Der Mythos
des Sisyphos“ von Albert Camus. In dem Essay spricht Camus über die Absurdität des Lebens
und wie der Mensch trotz dieser Absurdität einen Sinn finden kann.
Betrachtet man die Absurdität aus dem Blickwinkel eines philosophischen Konzepts, offenbart
sich einem ein Paradox, das zum einen den menschlichen Wunsch nach Bedeutung und Wahrheit
thematisiert und zum anderen die Erkenntnis der Sinnlosigkeit und der Zufälligkeit heranzieht. Das
Bedürfnis, sich die irrationale Welt verständlich zu erklären, Fragen mit Bedeutungen aufzuladen
und reflektieren zu können, war auch in meiner Arbeit ein relevantes Thema. Besonders hilfreich
war jedoch eine Vertiefung in den Dadaismus. Die Verbindung zwischen dem philosophischen
Absurden und der Kunst sowie den Schriften einiger Dadaisten hat mir dabei geholfen, die
Absurdität des Lebens zu erforschen und darüber hinaus den Anreiz gegeben, meine Arbeit so
auszudrücken, wie sie letztlich entstanden ist.
Der konzeptuelle Charakter dieser Serie ist geprägt durch eine ständige Bemühung, der eigenen
Intuition zu folgen und manifestierte sich zu einem Ausdruck der Flucht vor bewussten
konventionellem Denken. Das zufällige Moment, sich vom Unterbewussten leiten zu lassen, wurde
zu einem Spiel mit Konventionen und einer pointierten kritischen Auseinandersetzung mit den
gesellschaftlichen Umständen unserer Zeit. Vor allem dieser Prozess, der Wunsch, das Absurde
einfangen zu wollen, wurde absurderweise zu einer inszenierten Darstellung, wobei
unterschiedliche Kontexte miteinander kombiniert wurden, um dadurch dem Gegebenen
Absurden, eine neue absurde Maske aufzusetzen.
Die Serie „Das unerträgliche Dilemma des Absurden“ stellt ein Eingreifen in die bestehende
Ordnung dar und äußert sich als eine kritische Konstruktion der Irrationalität des Absurden
unserer Zeit. Die vierteilige Fotoserie ist der Versuch, dem Absurden einen Raum über das
Absurde zu geben. Das Absurde kann sich selbst in nichts nachstehen und es scheint absurd,
dieses in Worte fassen zu wollen. In meiner Auseinandersetzung ist mir vor allem das
intersubjektive Moment des Absurden aufgefallen, jedoch möchte ich keine Themen vorgeben,
sondern eher sensibilisieren und zum Anhalten verführen, zum Nachdenken anregen, sich das
Absurde auf der Zunge zergehen zu lassen. Es wäre zu absurd, dem Absurden ein Etikett
aufdrücken zu wollen. Dieses absurde Moment liegt in der Betrachtung und Beurteilung der Arbeit
durch das Publikums.

 

Das unerträgliche Dilemma des Absurden

Was ist das Absurde?

Gibt es eine Erklärung für das Absurde?

Ist es groß oder klein, laut oder leise -

ist es schwer,

grün oder blau?

Ist das Absurde die Kirsche auf der Scheiße,

die Befreiung aus den Fesseln des Konventionellen Denkens,

der Ekel,

ein Produkt gegen das System?

Is das Absurde ein Ausweg,

die reichende Hand

aus dem üppigen Busen, der Zitze des Konsums?

Oder ist das Absurde der kapitalistische Nimbus?

Is das Absurde die Leichtigkeit des Seins,

die Wahl zwischen Ketchup oder Mayo,

ist es greifbar, oder eine Illusion?

Ist es objektiv oder subjektiv?

Was macht das Absurde aus, dass es als absurd bezeichnet werden kann?

Ist es Alles,

oder ist das Absurde Nichts?

Ist es absurd ein Verlangen nach der Wahrheit des Absurden finden zu wollen?

Ist das Absurde das Unterbewusste,

eine unerschöpfliche, unkontrollierbare Kraft,

dessen Allgegenwärtigkeit keinen Anspruch erhebt, wie es sein müsste,

sondern als das existiert, was es ist?

Ist Absurd absurd?

Mein Verstand sagt mir, dass diese Welt auf ihre Weise absurd ist.

Nein, nicht die Welt!

Es sind die Menschen.

Das Absurde hängt vom Menschen ab.

So kann das Absurde als eine Spiegelung der Individualität und nicht zuletzt der Masse angesehen werden.

Ja! Das ist absurd.

Die Absurdität steht auf unserer Stirn,

als das Ausrufezeichen zwischen Ja und Nein.

Denn wir alle sind degenerierte Verbrecherinnen, die das groteske aller fürchterlichen Wörter in unsere

Münder nehmen.

Die typografische Personifikation des Widerstandes.

Es mit perfekten Zähnen formen, die Zunge geschlagen.ABER!

Das Bindeglied unserer Gesellschaft. Ein großes geschwungenes A, dicht gefolgt von einem lauten B und

der Endung des maskulinen, harten E’s und einem knurrenden, widersprechenden R.

Ja! Das ist absurd.

Eine Gesellschaft, die auf den Grundzügen eines Adverbs besteht.

Synonyme findet. Gegen alles und jeden.

Denn eigentlich gibt es „eigentlich“ nicht. Ein Unwort.

Laut und Schrill,

klatscht das „Aber“ jedem ins Gesicht.

Ein prüdes Etikett, brennend die lebhafte Verteidigung.

Eine amoralische „Aber“-Blase,

erdrückend in die Knie zwingend.

Ja! Das ist absurd.

Das was uns alle verbindet, ist die Einigkeit darüber, dass wir uns nicht einig sind,

dass wir in unser aller Kämmerlein den Dreck des Alltags von unseren Poren waschen, gepflegt in den

Spiegel schauen und uns selbst das „Aber“ vor die Linse knallen.

Hätte, würde, solltest.

Ein grandioses Fest der Einwände. Gegen alles und jeden.

Gegen uns selbst.

In Ermangelung an allem. Weil die Augen verschlossen und der Kopf zu. Weil das „weil“, das ABC des

Abers um ein weiteres Bindeglied erweitert.

Ja! Das ist absurd.

Ich schreie, weine, erkunde die Stille.

Sehe grüne Fliegen, fresse mich selbst und kotze die anderen aus.

Das Absurde kann dem Absurden in nichts nachstehen.

Ist es doch absurd, die Absurdität des Ganzen in Worte fassen zu wollen.

Ich existierte. Ich bin. Ungewollt.

Wie absurd.

Ich verneine all das und lebe das Leben von Sisyphos.

Auf halbem Weg.

Schiebe weiter.

Abstrus die Erkenntnis.

Ja! Das ist absurd.

ABER,

wenn diese Form, das Produkt, der Absurdität erkannt,

wenn sich dieses Nichts und Alles im Denken manifestiert, Bestandteil der eigenen Vernunft wird, so kann

Absurdität zu einer Leidenschaft avancieren.

Kann sich mannigfaltig die Fratze der festgesetzten Regeln und Normen vom einbalsamierten, parfümierten

Leib reißen und in seiner absurden Pracht und mit voller Inbrunst den geballten Mittelfinger in die Höhe

zeigen.

Ohne Worte. Nur mit einem Punkt.

Zum Anhalten Verführen.Spontan und intuitiv das Absurde fließen lassen.

Laut und Schrill,

Grün und blau.

Konsequenzen ziehen. Reflektieren.

Erkenntnis und Aufklärung im Ganzen und Nichts sein.

Ein Manifest verfassen.

Das Absurde absurd sein lassen.

Ja! Das ist das Dilemma des Absurden.

 

Toni Menck

 

 


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