BEGREIF MICH

Objekte der FÜMI – Serie

Projektinfos

Jahr: 2022

Studiengang:
Produktdesign

Betreuer:
Hanke, Tom, Prof. Dipl.-Des.Schulz, Stephan, Prof.

Teilnehmer:
Hannah Steenken

Projektart:
Abschlussarbeit

Abschlussarbeit im Produktdesign von Hannah Steenken

Die Entwicklung mehrerer Tools zur Vermeidung von selbstverletzendem Verhalten, welche im therapeutischen Zusammenhang genutzt werden können.

 

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Idee, alternative therapeutische Tools zum selbstverletzenden Verhalten zu erstellen. Durch die intensive Auseinandersetzung der Absolventin Hannah Steenken zu vielfältigen Themenfeldern rund um das Thema psychische Störungen, ihren Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten sowie die Behandlung des Bereiches der Haptik und des Tastsinns wurden verschiedene therapeutische Tools im Feld der Achtsamkeit kreiert. Diese Produkte sollen nicht nur die Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt schulen, sondern auch Entspannung fördern und motivieren, sich selbst gegenüber Nähe zu zeigen. Wie sich im Laufe der Arbeit herausstellte, sind diese Werkzeuge nicht ausschließlich bei Menschen, die selbst verletzendes Verhalten zeigen, anzuwenden, sondern auch bei jenen, die beispielsweise ein Nähebedürfnis haben oder einfach so ihre Achtsamkeit schulen wollen.

Die Absolventin schreibt in Ihrer theoretischen Arbeit: „Ich beschäftigte mich immer mehr mit dieser Problematik und verstand, dass es unterschiedliche Methoden gibt, um einen Menschen davon abzuhalten, sich selbst zu verletzen. Viele dieser Methoden nutzen die Idee der Reizüberflutung, also das Setzen eines so starken anderen Reizes, dass das NSSV nicht mehr notwendig ist. Das Problem ist, dass so Feuer mit Feuer bekämpft wird und dieser Weg erst im Hochspannungsmoment genutzt werden kann. Daraus ist die Frage geboren, ob es einen Weg gibt, mit dem Achtsamkeit geschult werden kann, sodass der Mensch im besten Falle gar nicht erst in die Position, sich selbst verletzen zu müssen, gerät. Und genau dort setzt meine Arbeit an.“

„In meinem Gespräch mit einer Ärztin, die sich auf die Mind & Body Medizin spezialisiert hat, stellten sich einige wesentliche Punkte heraus. Zunächst erzählte sie mir von der Geschichte der Mind & Body Medizin und der Relevanz von Achtsamkeit darin. Grob zusammengefasst beschäftigt sich diese Form der Medizin mit der Selbstfürsorge. Viel ginge es hierbei um Meditation, Yoga und das geistige Besinnen auf den Moment, wobei Achtsamkeit oder auch mindfulness im Sitzen oder auch Liegen stattfinden kann und Yoga oder Chi Gong bewegungsorientierte Entspannungsverfahren sind. Achtsamkeitsmeditation und informelle Achtsamkeit sind Methoden, um die Achtsamkeit zu schulen. Dabei basiert die Achtsamkeitsmeditation auf einer geführten Meditation und die „informelle Achtsamkeit“ darauf, dass stark auf die Umgebung geachtet wird. Es werden sich dann Fragen gestellt, wie: „Was höre, rieche, schmecke oder sehe ich gerade? Wie ist die Temperatur eines Objektes? Was können meine Hände?“ Die Idee ist es also wahrzunehmen, was in dem Moment passiert, ohne ein bestimmtes Ziel zu haben. Dadurch kann es aber natürlich auch negative Emotionen geben, die durch ein unangenehmes Erlebnis getriggert werden. Wichtig ist hierbei die Erkenntnis, dass diese Emotionen kommen und gehen. Das Ziel ist es also zu realisieren, dass alles im Fluss ist und sich ständig bewegt. Trotzdessen soll nur das getan werden, womit sich die Person auch noch wohlfühlt, denn häufig lösen unangenehme Situationen eben auch alte Gefühle aus, die möglicherweise eher Schaden als Nutzen bringen. Also ist es wichtig, sich selbst kennenzulernen, aber auch auf sich selbst Rücksicht zu nehmen. Die Ärztin betonte ebenfalls, dass Haptik eine Rolle spielt und das reine Fühlen durch die Hände schon eine Achtsamkeitsübung sein kann.“

 

FÜMI – Fühl Mich

Die FÜMI´s zeigen eine Mischung aus den verschiedensten haptischen Eigenschaften. Durch die unterschiedlichen Materialien Teak Holz, Stahl, Bienenwachs, Lederimitat und Kork sowie die unterschiedlichen organischen Formen nimmt die Nutzer*in, Wärme, Kälte, Weichheit, Rauheit, Unebenheit, Ebenheit, Symmetrie, Asymmetrie, Spitzheit, Rundheit, etwas Großes, etwas Kleines, etwas leichtes, etwas schweres, Geruchlosigkeit und Geruch wahr. All diese verschiedenen Eigenschaften sind über die Hände oder über das Gesicht zu erkennen. Das Gesicht ist dabei ein wichtiger Aspekt, denn durch die Berührung im Gesicht entspannt sich der Mensch. Dies ist ein natürlicher Reflex. Die FÜMI´s sind in dieser großen Vielfalt entstanden, damit jede Person Interesse in den Objekten findet. Die Bedürfnisse einer jeden Nutzer*in sind genauso verschieden wie die Nutzer*innen selbst. Wie die Person ihren Einstieg in das Thema Achtsamkeit und Selbsterfahrung wählt, ist letztendlich ihr selbst überlassen.

 

HAMI – Halt Mich

Der finale Entwurf des HAMI´s vereint ein Nähebedürfnis sowie das Bedürfnis danach, sich zu entspannen. Das Kissen kann auf unterschiedliche Art und Weise genutzt werden. Von der leichten Umarmung der Kissenarme um den Torso bis hin zur völligen Einnahme des Oberkörpers durch das Aufsetzen der Kapuze. Das Objekt kann im Sitzen sowie im Liegen in unterschiedlichen Positionen genutzt werden. Das Ziel ist, dass sich die Nutzer*in entspannt und das Gefühl einer Umarmung bekommt, somit also das Empfinden nicht mehr allein zu sein oder sich selbst Aufmerksamkeit zu schenken hat. In unserer Gesellschaft nimmt Körperkontakt keinen besonders hohen Stellenwert ein. In anderen Kulturen wird sich viel mehr umarmt, es werden Küsschen gegeben und die Menschen kommen sich näher. In Zeiten von Covid-19 jedoch ist die ohnehin schon vorhandene Distanz zwischen den Menschen in westlichen Kulturkreisen noch intensiver geworden. Daher ist dieses Kissen nicht nur für jene, die sich selbst verletzen, sondern für alle Menschen, die ein Bedürfnis nach Nähe verspüren, welches nicht gestillt werden kann.

Anwendungsbeispiel aus der FÜMI – Serie
Objektbeispiel aus der FÜMI – Serie
Objektbeispiel aus der FÜMI – Serie
Objektbeispiel aus der FÜMI – Serie
Objektbeispiel aus der FÜMI – Serie
Objektbeispiel aus der FÜMI – Serie
HAMI – Halt Mich
HAMI – Halt Mich
HAMI – Halt Mich
HAMI – therapeutische Decke

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