Experimenteller Entwurf zum Speicher Spiegelberg 48a

Erdgeschoss

Projektinfos

Jahr: 2009

Studiengang:
Innenarchitektur

Betreuer:
Prof. Dipl.-Ing. Michael Rudnik

Teilnehmer:
Linda Ullrich

Projektart:
Gruppenprojekt

In dem Speicher am Spiegelberg 48 a soll eine komplett neue Nutzung entstehen. Designer, Galeristen, Sammler und Antiquitätenhändler wollen eine Symbiose aus Ausstellung und Verkauf schaffen, in der gleichzeitig eine Cafe- und Barnutzung integriert ist. Sämtliche Möbel in dem Laden, Lampen, Dekoration, Geschirr, Skulpturen und Bilder sind zu erwerben. So ist es möglich, dass jemand seinem Nachbarn das Sofa oder den Stuhl, auf dem er sitzt, noch beim „Cafe schlürfen“ wegkauft oder ein Anderer möchte sich nur auf ein Glas Bier mit Freunden treffen und entscheidet sich dabei für ein Bild. Die erwerbbaren Dinge sind einerseits antik und manchmal restauriert, andererseits werden aber auch neue, von den Besitzern und Anderen gestaltete und gebaute Möbel vertrieben. Dieser Gegensatz der alten und neuen Waren findet sich in dem starken Kontrast zwischen historischer äußerer Hülle und dem modernen Innenleben des Speichers wieder. Das Gebäude ist also repräsentativ für seine Funktion und unterstützt diese. Da alles, was in dem Cafe benutzt wird, auch zum Verkauf steht, ist dieses Mischkonzept ein stets flexibles. Die einzig fixen Elemente sind das Innere, der Tresen und die im Keller untergebrachten Funktionsräume mit Sanitär-, Elektroanschluss-, Lager- und Hauswirtschaftsbereich. Dieser dient als Werkstatt für kleine Schäden. Ein größerer Arbeitsbereich zum Restaurieren der alten Möbel und Bauen der neuen Objekte ist nicht in dem Speicher untergebracht, sondern wurde in ein anderes Gebäude ausgelagert, um den Cafebetrieb nicht mit Lärm zu stören. Es ist offensichtlich, dass die Geschosse unterschiedlich thematisiert sind. Die Gegenüberstellungen der alten und neuen Möbel bezwecken in Verbindung mit der eigenwilligen Architektur eine andere Sicht auf konventionelle Wohnräume. Es wird hier kein Vorschlag gemacht, wie Objekte besonders gut arrangiert oder dekoriert werden. Einzelstücke, die zu einem Thema passen, stehen sich gegenüber, können angeschaut, benutzt und gekauft werden. Durch diese Art der Probenutzung stellt sich ein Gewöhnungseffekt ein. Der Entscheidungsprozess kann sich insgesamt in die Länge ziehen, aber auch sehr spontan geschehen. Die Eigenschaften der gegebenen Räumlichkeiten unterstützen jeweils den Charakter der Themen. Eine Änderung dieser, zum Beispiel vom Wohnzimmer zum Atelier, ist ohne großen Aufwand realisierbar. Der Besucher hat in dem Cafe die Möglichkeit, sich die Sitzmöbel und Tische hinzustellen, wie er möchte. So ist es auch möglich, dass auf einer Etage zeitweise ein Berg mit unterschiedlichen Stühlen aufgetürmt steht und der Nutzer kann sich das Objekt seiner Wahl einfach nehmen. Durch die wechselnden Objekte und Zusammenstellungen verändert sich das Cafe ständig und erhält einen musealen Charakter. Die Kunst, in Form von älteren und zeitgenössischen Gemälden und Skulpturen, trägt dazu ergänzend bei. Die Themen und Stimmungen der einzelnen Geschosse wurde durch Collagen neben den jeweiligen Grundrissen veranschaulicht. Eine weitere wichtige Rolle in diesem Etablissement spielen kulturelle Veranstaltungen. Beispielsweise können Lesungen gehalten werden, in einem kleinen Freiluftkino im rückwärtigen Bereich werden Kurzfilmabende veranstaltet und am Flohmarkttag können auch die Gäste versuchen alles „loszuwerden“, was sie nicht mehr benötigen. Junge Künstler haben die Möglichkeit, ihre Werke auszustellen und zu verkaufen. Gleichzeitig stoßen sie aber auch auf Reaktionen der Gäste. Vielleicht kann diese Resonanz für ihre weiteren Arbeiten sogar hilfreich sein. Außerdem können Symposien oder Künstlertage veranstaltet werden, an denen sich die Beteiligten Atelierplätze einrichten und im gegenseitigen Austausch Zeichnen, Malen, Skulpturen schaffen oder sich lediglich ihre Werke gegenseitig vorstellen. Die Aktionen und Ausstellungen werden als Instrument zur Förderung des Bewusstseins für gesellschaftliche und kulturelle Zusammenhänge betrachtet. Es gibt mehrere Anreize, um den ehemaligen Speicher zu besuchen. Dabei kann sich aus dem ursprünglichen Grund dort hinzugehen, ein ganz anderes Erlebnis ergeben. Dieser gastronomische Laden soll eine Plattform für alle Menschen sein, die in Kreativität interessiert sind, diese zeigen oder auch erst finden wollen. Der Standort Wismar braucht kulturelle Veränderungen. Die meisten Studenten ziehen sofort nach dem Studium in andere Städte, da es wenige Anreize gibt, zu bleiben. Für den Mut, dass auch in einer Stadt wie Wismar solche Projekte möglich sind, kann ein Grundstein gelegt werden, um mehr Menschen dafür zu gewinnen, etwas für sich und andere zu gestalten. Dieses Projekt ist der Versuch, die Attraktivität des Standortes zu steigern. Insbesondere im Hinblick auf die spezielle Lage der Straße Am Spiegelberg steht es als Vermittler von Kreativität, Vielfalt und Offenheit.

1 OG
2. OG

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