Feminism, Coding & Textile

Rebekka Jochem – "Kraulen"

Projektinfos

Jahr: 2020

Studiengang:
Produktdesign

Betreuer:
Prof. Dipl.-Des. Stephan Schulz

Teilnehmer:
Rebekka Jochem

Projektart:
Abschlussarbeit

Diplomarbeit von Rebekka Jochem

Eine allzu häufige geschlechtliche Konnotation der Textilherstellung und der Softwareentwicklung diente Rebekka Jochem als Motivation und Inspiration, für eine stärkere Synthese aus beiden Welten für ihre theoretische und praktische Diplomarbeit.

Unter dem Oberthema „Berührung“ fasst Rebekka Jochem die verschiedenen Schwerpunkte ihrer Auseinandersetzung zusammen. Die Art einer Berührung, vom Need for Touch bis hin zum Victim Blaming – die soziale Bedeutung zwischenmenschlicher Berührungen sind extrem verschieden und als taktile Interaction eine Form der Kommunikation zwischen, Vertrautheit, Macht, Dominanz und Verletzung.

Vier textile Objekte, jeweils inspiriert von einem täglichen Handgriff, den wir mit Textilien verbinden. Sie nehmen Bezug auf körperliche und soziale Aspekte des Berührens, indem sie einerseits visuell anziehend wirken und andererseits auf Berührung unerwartet, teils laut und sichtbar, teils subtil reagieren. Textilien und Code sind zwei Bereiche, die geschichtlich betrachtet eng miteinander verwoben sind, heute jedoch häufig sehr getrennt betrachtet werden. Dies hat viel mit andauernden Geschlechtsvorstellungen und der gesellschaftlich verankerten Hierarchie von Handarbeit und Technik zu tun. Dieses Projekt ist der Versuch einer reflektierten Kombination von textilen Materialien und elektronischen Komponenten, um zu erforschen, welche Möglichkeiten darin stecken. Dabei liegt das Augenmerk nicht nur auf neuen Ansätzen bei der Interaktion zwischen Mensch und Technik, sondern auch auf den potenziellen inhaltlichen Auswirkungen einer größeren Durchmischung beider Bereiche. Rebekka Jochems Objekte untersuchen die Anziehungswirkung von Oberflächen, die berührt werden wollen oder zumindest taktile Reaktionen provozieren sollen. Immer unter den Fragestellungen: Warum möchte ich es anfassen? Wie berühre ich etwas? Darf ich es berühren? Überschreite ich eine Grenze? Welche Folgen hat mein Handeln? Anhand der vier alltäglichen Handlungsweisen – des Anfassens, des Bedeckens, des Kraulens oder Streichelns und des Zerknitterns werden subtil verschiedene Formen des Berührens erforscht. Die Objekte versuchen durch ihre verborgene Funktionalisierung für kurze Zeit den Berührenden, die Kontrolle über die sich verändernde Situation zu nehmen – nach der Berührung merke ich, dass ich eine Veränderung verursacht habe, derer ich mir vorab nicht bewusst war.

Die Diplomarbeit von Rebekka Jochem zeigt uns, dass es in Zukunft neben der reinen Form vor allem auch um das Können und die Wandelbarkeit von Materialien und deren Oberflächen gehen wird. Es dreht sich weniger um die formale Gestaltung einer Hülle, als vielmehr darum, Oberflächen durch das Arbeiten mit verschiedensten Technologien und Materialien, aus der Tiefe heraus, zu aktualisieren. Die Materie selbst rückt hier in den Fokus der Gestaltung.

Rebekka Jochem – "Kraulen"
Rebekka Jochem – "Zerknüllen"
Rebekka Jochem – "Zerknüllen"
Rebekka Jochem – "Berühren"
Rebekka Jochem – "Berühren"
Rebekka Jochem – "Berühren"
Rebekka Jochem – materials
Rebekka Jochem – materials
Rebekka Jochem – materials
Rebekka Jochem – Skizzen
Video zu den Objekten
Aufdecken
Kraulen – Vibration
Knittern
Berühren – Druckabfall

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