Less is Moor

Torfmooskultivierung – zur Produktion und Ernte von Torfmoos-Biomasse, diese kann als Substrat für Spezialkulturen, vertikale Gärten, Dachbegrünung, Terrarieneinrichtung und Floristik verwendet werden. (Foto: S. Lampe)

Projektinfos

Jahr: 2022

Studiengang:
Architektur

Betreuer:
Altmann, Steffen MA ArchitekturLampe, Sabrina, MA Architektur

Teilnehmer:
J. Ebert, J. Einfeld, E. Eisland, E. Feldmann, J. Hansen, M. Kick, T. Kick, J. Kirschall, L. Möller, L. Nickel, S. Omar, A. Pein, A. Rasztawicki, C. Richter, M. Riebort, P. Röder, L. Rothfuß, E. Sonntag, K. Volk, A. Wagner, E. Wolfram

Projektart:
Gruppenprojekt

Dass der weltweite CO2-Ausstoss das globale Klima beständig anheizt, dürfte mittlerweile allen bekannt sein. Die Exkursion „Less is Moor“ macht aber auch deutlich, welche Folgen das Trockenlegen von rund 300.000 Hektar Moorfläche in der Vergangenheit in Mecklenburg-Vorpommern auf das Landschaftsbild, das Ökosystem und das Klima haben und welche Potentiale wiedervernässte Moore bieten – auch für Gestalter.

Moore nehmen nur 3 % der Landfläche der Welt ein, enthalten aber in ihren Torfen – mit 500 Gigatonnen – zweimal mehr Kohlenstoff als die gesamte Biomasse aller Wälder der Erde. Wenn ein Moor entwässert wird, tritt Sauerstoff in den Torf ein, CO2 und oft auch N2O werden emittiert. Die entwässerten Moore, lediglich 0,3 % der Landfläche der Welt, verursachen überproportional hohe Emissionen: Mit jährlich 2 Gigatonnen CO2 sind sie für fast 5 % der weltweiten anthropogenen CO2-Emissionen verantwortlich. In einem moorreichen Bundesland wie Mecklenburg-Vorpommern sind entwässerte Moore mit ca. 6,2 Millionen t CO2-Äq. pro Jahr die größte Einzelquelle für Treibhausgase (Hirschelmann et al. 2020).

Fest steht also: „MOOR MUSS NASS!“. Diesen Slogan haben wir bereits am 1. Tag der Projektwoche im Moor Centrum Greifswald erfahren. Mit 21 Studierenden aus den Studiengängen Architektur (Bachelor und Master), dem Masterstudiengang Innenarchitektur und dem Diplomstudiengang Produktdesign ging es nach einer thematischen Einführung ins Thema durch Dr. Almut Mrotzek vom Moor Centrum Greifswald, sowie Mitarbeitenden der Greifswalder Moor Centrums und der Michael Succow Stiftung auch direkt ins Moor. In den Karrendorfer Wiesen durften wir Bodenproben aus dem Boden ziehen, in den darauffolgenden Tagen im Kleinen Landgrabental einen Soll entbuschen, auf der ersten Paludikultur-Anbaufläche in MV bei Neukalen bei der Ernte von Rohrkolben-Pflanzen unterstützen, mit der Naturschutzstiftung Deutsche Ostsee in Gingst auf Rügen eine Heckenpflanzung mit Moorbezug vornehmen und im Anklamer Stadtbruch mit dem NABU Stauwälle erhöhen. Eine Exkursion führte und zu einer neu entstehenden Paludikultur-Pilotfläche oder auch zu einem wiedervernässten Quellmoor. Expertinnen und Experten gaben vor Ort ihr Fachwissen weiter, so, dass wir immer tiefer in die Thematik Moor einsteigen konnten – teilweise steckten wir bis zu den Knien im nassen Moorboden.

Ein Treppenschrank mit Platten aus Feuchtwiesengräsern, Rohrkolben in der Wand, Schilf für den Schallschutz und Erle in den Paneelen – Torsten Gahlke zeigte uns in seinem rollenden Showroom, wie regional angebaute Moorpflanzen in der ökologischen Baubranche eingesetzt werden können. Aber die Paludikultur (lat. palus der Sumpf und cultura die Landwirtschaft), kann noch viel mehr: Schilf und Rohkolben lassen sich zu Verpackungen oder Einweggeschirr verarbeiten oder auch zu Brennstoffen, der Anbau von Torfmoosen dient als Torfersatz.

Mit matschigen Gummistiefeln, dem einen oder anderen Rohrkolben in der Tasche, brummenden Schädeln, Dank der vielen Zahlen, Fakten und neuen Erkenntnissen rund ums Thema Moor und Paludikultur und den unglaublich eindrücklichen Landschaftsbildern ging es am Freitagnachmittag zurück nach Wismar. Und was bleibt? Less is Moor – weniger trockengelegte Moore = mehr Klimaschutz, mehr Paludikultur, mehr Biodiversität und Artenvielfalt. 

Hirschelmann, S. [et.al.] (2020): Moore in Mecklenburg-Vorpommern im Kontext nationaler und internationaler Klimaschutzziele – Zustand und Entwicklungspotenzial, Faktensammlung. Greifswald Moor Centrum-Schriftenreihe 03/2020 

Teilnehmende:
Studiengang Bachelor Architektur: Justus Einfeld, Torge Kick, Johannes Kirschall, Lea Sophie Möller, Linnea Nickel, Sarmad Omar, Conrad Richter, Maik Riebort, Klara Volk und Eva Mariken Wolfram
Studiengang Master Architektur: Emil Eisland, Eric Feldmann, Johannes Hansen, Peer Röder, Lars-Christian Rothfuß und Anna Wagner
Studiengang Master Innenarchitektur: Maite Kick
Studiengang Produktdesign: Johanna Ebert, Annalena Pein, Aleksander Rasztawicki und Erik Sonntag

Links

Sophie Hirschelmann von der Michael Succow Stiftung stellt uns erste Paludimaterialien vor (Foto: S. Lampe)
In den Karrendorfer Wiesen können wir Bodenproben ziehen (Foto: S. Lampe)
Dr. Almut Mrotzek vom Moor Centrum Greifswald, wertet die Bodenprobe für uns aus (Foto: S. Lampe)
Auf dem Weg ins wiedervernässte Quellmoor (Foto: S. Lampe)
Im Hochquellmoor Binsenberg erfahren wir einiges über den Bodenaufbau und die Pflanzenvielfalt vom Experten Carl Barnick. (Foto: S. Lampe)
Gräser-/Pflanzenkunde im Hochquellmoor (Foto: S. Lampe)
Josephine Neubert vom Moor Centrum Greifswald stellt uns die erste Paludikultur-Anbaufläche in Neukalen vor. (Foto: S. Lampe)
Ernteeinsatz in Neukalen, die Rohrkolbenernte steht an. (Foto: S. Lampe)
Rohrkolben (Typha) eignet sich als Dämmmaterial. In der Natur baut die Sumpfpflanze Kohlenwasserstoffe und andere organische Schadstoffe ab. (Foto: S. Lampe)
Fast 6 Kubikmeter konnten in wenigen Stunden geerntet werden. (Foto: S. Lampe)
Im Paludi-Tiny House von Torsten Galke in Greifswald, erfahren und sehen wir, wie Paludimaterialien eingesetzt werden können. (Foto: S. Lampe)
Detail des Treppenschranks mit Platten aus Feuchtwiesengräsern. (Foto: S. Lampe)
Auf dem Weg in den Anklamer Stadtbruch, Günther Hoffmann nimmt uns mit in das letzte große Wildnisgebiet Deutschlands. (Foto: S. Lampe)
Stefan Schwill vom NABU erklärt uns unseren Arbeitseinsatz. (Foto: Klara Volk)
Zwei Stauwälle müssen im Stadtbruch erhöht werden – eine der ganz wenigen Eingriffe, die hier noch vorgenommen werden. (Foto: S. Lampe)
Arbeiten am Stauwall. (Foto: S. Lampe)
Im 20. Jahrhundert eingedeicht, trockengelegt und intensiv forstwirtschaftlich genutzt, sorgte 1995 eine Sturmflut dafür, dass ein Großteil des Gebiets überschwemmt wurde. Seitdem ist der Anklamer Stadtbruch weitestgehend sich selbst überlassen. (Foto: S. Lampe)

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