Metamorphose und Gegenwart in den Geschichten aus Tausendundeine Nacht

Metamorphose von Gewebe im Quadrat

Projektinfos

Jahr: 2017

Studiengang:
Schmuckdesign

Betreuer:
Prof. Dipl.-Des. Annette Leyener Prof. Dipl.-Schmuckgestalterin Andrea Wippermann

Teilnehmer:
Isis Maurer

Projektart:
Abschlussarbeit

„Klarheit und Geheimnis, erzählt durch Gewebe, Auflösung und Neugestaltung in der zeitlosen Form habe ich als Themen in meinem Schmuck bearbeitet.“

Isis Mauer stellt sich die Frage, warum diese uralte Sammlung morgenländischer Erzählungen auch heute noch so populär ist, weiterhin: „welche zeitlosen Formen im Schmuck vorhanden sind und ob Analogien zwischen den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und zeitlosen Schmuckformen bestehen kann.“

Daraus ergibt sich die These, dass zeitlose Schmuckformen und die hier untersuchte Geschichte „Der Fischer und der Dschinni“ Analogien aufweisen.

Die Analyse der Geschichte des Fischers, des Königs und des Jünglings erbringt eine Fülle von Symbolen und Archetypen, also Ursymbole, die tief im Gedächtnis der Menschen verwurzelt sind. 

Die andere Facette zur Erklärung der Aktualität der Geschichten aus Tausendundeine Nacht ist die Untersuchung und Beschreibung der Metamorphose in den verschiedenen Ebenen der Erzählung.

„Die Geschichten... abstrahieren Lebensthemen der Menschen und diese werden auf eine nicht reale Ebene verlagert, um dann bildhaft aufgenommen zu werden. Sie beinhalten eine Nachhaltigkeit, weil das zentrale Thema nicht offensichtlich dargestellt wird, sondern subtil behandelt wird.“

Aktualität erhalten die Erzählungen auch durch die Auseinandersetzung mit dem Fremden: 

„Gleichzeitig besteht eine Vertrautheit, die durch Archetypen erzeugt wird und die dadurch ein Verständnis...der anderen Kultur ermöglicht...Durch Kennenlernen und Auseinandersetzen mit der jeweils fremden Kultur...kann das Fremde weichen, es wird bekannt, verstanden und akzeptiert... Durch stärkeres Aufeinandertreffen der Kulturen ist eine Auseinandersetzung immer wichtiger und muss mehr und intensiver geschehen.“

Isis Maurer konzentriert sich auf die Grundformen Spirale, Kreis und Quadrat. 

„Die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht lassen sich in drei Formen einteilen: 

Die Spirale als sich stetig wiederholende Form als das Schicksalhafte der Geschichten. 

Der Kreis als das Geschlossene immer Gleiche, Ewige, dem Umschließenden, dem Einbindenden und Ausgrenzenden, als das Emotionale der Geschichten. 

Das Quadrat als das Geordnete, Untergeordnete, Logische und menschlich Berechenbare, die Entscheidungskraft, als das Logische der Geschichten.“ 

Zentrales Thema ihrer Schmuckkollektion ist die Darstellung einer Formmetamorphose anhand geometrischer Grundformen. 

“Er (der Schmuck) soll eine Klarheit darstellen, die gleichzeitig geheimnisvoll ist und das in den Geschichten dargestellte Geschehen, welches auf mehreren Ebenen stattfindet, zum Ausdruck bringen.“  

Eine Entsprechung für die ineinander greifenden und oft auch übereinander liegenden Erzählstrukturen findet sie in der Technik des Webens. 

Der Halsschmuck „Metamorphose von Gewebe im Quadrat“ ist eine feinsinnige Verknüpfung von Webtechnik, Formveränderung und Auflösung. 

Er ist ein Balanceakt: beim Tragen halten schwere Salzkristalle auf dem Rücken den, entgegen seiner optischen Wirkung, sehr leichten quadratischen Anhänger in Position. Die Wuchtigkeit der quadratischen Fläche wird konterkariert von der luftigen Zartheit der gewebten, wohl geordneten Flächen, die sich aufsteigend verkleinern, auflösen und in Unordnung und  Schwere enden. Die verwendeten Materialien: festes Metall und leicht lösliche Salzkristalle erzählen von Beständigkeit und Flüchtigkeit.

Das Collier „Metamorphose Gewebe“ erhält seinen Ausdruck über das Entfernen von Fäden im Gewebe. Es wird noch transparenter, fragiler. Einziges schmückendes Element sind wenige goldfarbene Fäden, die diese starke Reduktion unterstreichen. Hier trifft Purismus auf orientalische Üppigkeit, die wir in den Erzählungen finden.

Über die Magnetschließen lassen sich die Metallschläuche verschiedenartig verdrehen und mal voluminös oder eng zusammengerollt am Körper tragen. Dieser einfache Mechanismus erzeugt eine Vielfalt der Trage- und Ausdruckmöglichkeiten. 

Prof. Andrea Wippermann

Die Zitate sind aus der schriftlichen Diplomarbeit von Isis Mauer. 

Collier I
Collier II

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