Vom Sammler und der Sammlung

ovum A.I + A.II

Projektinfos

Jahr: 2017

Studiengang:
Schmuckdesign

Betreuer:
Prof. Dipl.-Des. Annette LeyenerProf. Dipl.-Schmuckgestalterin Andrea Wippermann

Teilnehmer:
Maria Konschake

Projektart:
Abschlussarbeit

Maria Konschake ist keine Sammlerin. Sie spielt mit der Idee, in die Rolle eines Sammlers zu schlüpfen.

Maria Konschake ist keine Sammlerin. Sie spielt mit der Idee, in die Rolle eines Sammlers zu schlüpfen. 

Über die Anhäufung von Fakten versucht sie, sich der Spezies „Sammler“ zu nähern und erarbeitet sich damit ein breites und fruchtbares Fundament für das erdachte Szenario: 

Was wäre wenn ich sammeln würde? Wie würde die Sammlung aussehen? Welche Aspekte sind mir wichtig? Dieses Gedankenspiel versetzt Maria Konschake in die Lage, einen authentischen, künstlerischen Beitrag zum Thema zu erarbeiten und klare Entscheidungen zu fällen: 

„Die Stücke sollen die Wirkung einer Schatzkammer haben, die Präsentation jedoch musealen Charakter...Da es sich um eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Sammelns handelt, war es mir wichtig, nur Materialien zu verwenden, die als natürliche Materialien gelten und sowohl in Kunst- und Wunderkammern, als auch in Schatzkammern vorkamen.“

Die museale Betrachtungsweise gibt eine eingeschränkte Handlungsweise und die Reduzierung auf bestimmte Materialien vor. So gestaltet sich Maria Konschake ihre eigene Schausammlung, bestehend aus Schmuckstücken und Objekten, die einen ganz eigenen Humor entwickeln. 

Die tanzenden Eier aus gefärbtem Tombak  überraschen durch einen unerwarteten Klang, wenn man sie bewegt. Die Bewegung ist taumelnd, abgehackt durch eine innere Unwucht.

Ein Ei ist aufgebrochen und etwas ist entschwunden und lässt den Ton lauter klingen. 

„Es ist fast so, als wäre durch das Aufbrechen der Schale etwas aus den Fugen geraten...“

Spinnt man die Idee weiter, fragt man sich, wie wohl der Vogel aussieht, der diese Eier legt. 

Die Broschen zum Thema Naturalienschrank und das Schatzobjekt sind der Grundstock ihrer angelegten Sammlung. Hier orientiert sich Maria Konschake an Naturalienkabinette, Wunderkammern und Schatzkammern der Renaissance. Die Broschen muten wie äußerst reduzierte Aufbewahrungsmodule an, in denen sich besonders kostbare Naturalien befinden. 

Der Titel „Knochensammlung“ für Collier und Broschen „reliquiae“ ist spröde und führt uns auf fröhliche Weise in die Irre. Nicht die Morphologie verschiedener Knochen steht hier im Vordergrund sondern die Metamorphose technoider Teile (hier sind es industriell gefertigte Leuchterfüße). Durch Abformung und Umwandlung in zarte Porzellanteile werden sie zu Metaphern für Sammlungen von Knochen.

Die Reihung ergibt eine wirbelsäulenähnliche Struktur und charakterisiert die Manie des Sammlers, Vollständigkeit zu erlangen. 

Im Kontrast dazu verdeutlichen die Broschen das Verlangen des Sammlers besondere Einzelstücke zu besitzen. Die vergoldeten Industrieketten, die jede Brosche umrahmen, heben diesen Spleen auf ironische Weise hervor. Diese „Knochenansammlung“ hat also weniger mit Sammlungsstücken an sich als mit dem Wesen des Sammlers selbst zu tun. 

Dieser Ansatz findet sich auch in den Objekten „exoprosthetis“. Der Name ist der Medizintechnik entliehen und suggeriert die Funktion, ein orthopädisches Hilfsmittel, ein Körperersatzstück zu sein. Die Frage stellt sich: braucht der Sammler Prothesen und wenn ja, was fehlt ihm? 

„Der Sammler – ein ewig Suchender – leidet mitunter an einer gestörten Wahrnehmung seiner Umwelt und seiner selbst. Das Sammeln ist seine Heilung. Allerdings bedarf es der ständigen Wiederholung.“ 

Nun könnte man vermuten, dass das Hör- bzw. Sehobjekt dem Sammler bei der Wahrnehmung seiner Umwelt helfen soll. Das Gegenteil ist der Fall. Werden beide Spielzeugprothesen gemeinsam benutzt, ist das Sehen stark eingeschränkt und nur durch ständige Bewegung entsteht der ersehnte Ton. Beide Aktionen können nicht gleichzeitig ablaufen. Die Unerreichbarkeit seines Strebens nach Vollendung der Suche wird mit diesen Kleinplastiken auf wunderbare Weise ad absurdum geführt.  

Die Inszenierung der Wunderkammer (Diplompräsentation) ist der eigentliche Höhepunkt ihrer Arbeit zum Thema. Es stehen weniger die einzelnen Stücke im Vordergrund als vielmehr die Inszenierung eines Raumes mit Licht, Sockeln und Objekten (welche teilweise selbst gefertigt und teilweise gesammelt wurden) zum Gesamtkunstwerk. 

Prof. Andrea Wippermann

Die Zitate stammen aus der schriftlichen Arbeit von Maria Konschake.

exoprothesis A.I.+A.II
ovum A.I. - A.II
Wunderkammer, Präsentation
reliquiae A.I.
reliquiae A.I.

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