Das Architekturstudium ist geprägt vom Experimentieren und Präsentieren von Ideen – dafür benötigt man Pappe, Papier und verschiedenste Modellbaumaterialien, wie Holzleisten, Plattenwerkstoffe uvm. Nachdem man für einige Projekte viel geplottet und viele Modelle gebaut hat, entsteht die Frage: „Wie nachhaltig ist das eigentlich?“ Es wird versucht, alte Pläne als Schmierpapier oder Unterlage wiederzuverwenden, jedoch bleibt der Fakt, dass dies am Ende doch keine neue, „richtige“ Verwendung findet.
Also hieß es: Mitmachen. Nicht, weil man selbst eine großartige Tat vollbringen möchte, sondern aus dem Wunsch heraus, der Natur etwas zurückzugeben. Bei mir persönlich spielte noch der Faktor mit hinein, den Alltagstrott kurz hinter mich zu lassen und Kraft in etwas zu stecken, was mir wichtig ist. Was wir an diesem Tag gepflanzt haben, braucht mehrere Jahre, um zu wachsen. Es ist ein ungewohnter, aber schöner Gedanke, dass man irgendwann zurückkehren kann und sieht, was aus dieser Arbeit geworden ist, im Wald bei Moidentin.
1.000 Bäume standen auf der Tagesordnung – eine kaum greifbare Zahl, welche uns schon beim Gedanken daran etwas ins Schwitzen gebracht hat. Nach einer kurzen Einweisung von Revierleiter Ralf Lohmann ging es los: Rotbuchensetzlinge, einer nach dem anderen wurden in die Erde gesetzt. Am Anfang saß leider noch nicht jeder Baum richtig, doch Ralf und seine Mitarbeitenden haben nachgebessert und erklärt. Nach einigen Anläufen hatte man den Dreh raus – und die Zeit sowieso. Forstwort und Waldarbeiter waren erfreut über die vielen Hände, die an diesem Tag mitgeholfen haben.
In kleineren Pausen wurde geredet – unter anderem über die Rolle des Wolfes. Ralf erklärte, dass zu viele Rehe ein Problem für den Wald darstellen. Denn sie fressen junge Setzlinge, bevor diese überhaupt eine Chance haben. Der Wolf hält die Rehpopulation in Schach – und nimmt damit eine Aufgabe wahr, die sonst Jäger übernehmen müssen. Ein Zusammenhang, der einem beim Einpflanzen von nun 1.700 Setzlingen plötzlich sehr einleuchtet. Die Zahl hat sich von 1.000 auf 1.700 gesteigert, dank des Pflanzbohrers! Dank ihm wurde der ganze Prozess beschleunigt – Löcher in den Boden gebohrt, Setzlinge eingepflanzt und anschließend gut festgetreten. Uns begleitete die Stille, sobald die Maschine denn mal aus war. Plötzlich war da wieder Wald – mit Vogelzwitschern und Sonnenstrahlen.
Genau der Wald, der für uns als selbstverständlich wirkt, ist Rohstofflieferant, Erholungsraum und Lebensraum. Gleichzeitig steht er hierbei unter enormen Druck. Anhaltende Trockenperioden, und der damit einhergehende Trockenstress machen den Bäumen zu schaffen. Sie fangen an zu schwächeln und sind dann einfaches Opfer von Schädlingen, wie z.B. dem Borkenkäfer. Ein Viech, welches sich (zu gern) in Fichten frisst und sie dann sterben lässt. Dass er auch in M-V sein Unwesen treibt, war mir nicht bekannt und lässt mich um die Zukunft des Waldes umso mehr sorgen. Was dabei auffällt: Bäume brauchen doch mehr Aufmerksamkeit, als man vielleicht denken mag. Sie sind nicht nur für uns „da“ – sondern sind vielseitige, lebende, miteinander verbundene Systeme, welche gepflegt, begleitet und ganz einfach beobachtet werden müssen und sollen. Genau das ist Ralfs Arbeit, und sie ist wichtiger denn je.
Am Ende des Tages waren wir erschöpft, aber zufrieden und um 1.700 Bäume bereichert. Das Gefühl, zumindest einen kleinen Gegenpol zu dem geschaffen zu haben, was wir sonst als so selbstverständlich empfinden, brachte viel Enthusiasmus – das schaffst du auch. Vielleicht sehen wir uns beim nächsten Mal :)
Text Sophia Befus, BA Architektur








