Vier Arbeiten sind im Rahmen des Seminars entstanden.
Famous Names Campaign von Amanda Leaman
Dieses Projekt denkt die Namen gefeierter männlicher Architekten neu, indem es sie in plausible weibliche Entsprechungen überführt. Das Projekt spielt mit den Annahmen der Betrachter:innen darüber, wen sie zu kennen glauben – und wen sie als architektonische „Meister“ akzeptiert haben.
Die veränderten Namen erzeugen einen kurzen Moment der Irritation: Moment – war Gropius eine Frau? Erinnere ich mich falsch? Diese Störung öffnet einen Raum, in dem Gewissheiten ins Wanken geraten und Vorstellungskraft entsteht. In diesem Zwischenraum lässt sich hinterfragen, wie Architekturgeschichte geformt wurde, wessen Beiträge sichtbar gemacht wurden – und wessen ausgelöscht blieben.
Zeitstrahl vonAnne Hubold
Ein Zeitstrahl verspricht Übersicht, Ordnung und Vollständigkeit. Er reiht Ereignisse aneinander und formt daraus die scheinbar geschlossene Erzählung der Architekturgeschichte. Doch dort, wo Architektinnen stehen müssten, entstehen Leerstellen. Zwischen Daten und Bauwerken öffnen sich Lücken – ohne Namen, ohne Porträts, ohne Zuschreibung. Diese Leerstellen stehen nicht für fehlende Leistung, sondern für fehlende Anerkennung. Beiträge von Frauen wurden übergangen, anderen zugeschrieben oder nicht dokumentiert.
Dieser Zeitstrahl richtet den Blick gezielt auf weibliche Meilensteine und Ereignisse. Er macht sichtbar, was lange am Rand stand oder ganz fehlte. Indem ausschließlich die Beiträge von Architektinnen hervorgehoben werden, verschiebt sich die Perspektive: Die vermeintlich bekannte Geschichte erscheint neu – und zeigt, wie viel bislang nicht erzählt wurde.
This Barbie is an Architect von Daniela Weber
Seit 1959 steht Barbie nicht nur als Kinderspielzeug, sondern als Symbol für Möglichkeiten. Über die Jahrzehnte hinweg verkörperte sie mehr als 250 Berufe – von Ärztin bis Astronautin. Jede Version transportierte eine einfache, aber wirkmächtige Botschaft: Man kann alles werden, wenn man will.
Die Reihe „This Barbie is an Architect“ knüpft an dieses Prinzip an und richtet den Blick gezielt auf Architektur. Statt einer fiktiven Berufsrolle werden reale Architektinnen unterschiedlicher Epochen in den Fokus gerückt – von frühen Pionierinnen, die sich ihren Zugang zur Profession erst erkämpfen mussten, bis hin zu international ausgezeichneten Gestalterinnen und einflussreichen Theoretikerinnen der Gegenwart.
Architektinnen im Interview von Charlott Serwatka
Für dieses Projekt wurden zeitgenössische Architektinnen in Deutschland eingeladen, einen offenen Fragenkatalog zu ihren Ausbildungs- und Berufserfahrungen zu beantworten. Die Interviews thematisieren biografische Zugänge zur Architektur, Erfahrungen im Studium, den Einstieg ins Berufsleben, Arbeitskulturen, Rollenverteilungen, Care-Arbeit sowie Fragen von Sichtbarkeit, Anerkennung und struktureller Macht. Ziel ist es, individuelle Perspektiven sichtbar zu machen und persönliche Erfahrungen mit größeren systemischen Bedingungen zu verknüpfen.
Fotos: Hermann Wilde








